Im „Weißen Roß“ wird wieder musiziert – und WIE!

Der Gesangverein zu Langenbernsdorf e. V. hatte am 20. Juni 2020 die Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach zu einem Serenadenkonzert eingeladen. Hintergrund war, dass wir erfahren hatten, dass die Vogtland Philharmonie in diesen für Künstler schwierigen Zeiten Spielstätten suchte. So war sich der Vorstand sehr schnell einig, dass wir unseren seit 2013 musikalischen Partner des Projektes „Ein Dorf singt“ gerne unterstützen wollen. Die Gemeinde Langenbernsdorf hat derzeit aufgrund eines genehmigten Hygienekonzeptes des Landkreises einen bespielbaren Saal.

Auf dem Programm standen Wolfgang Amadeus Mozarts Serenade D-Dur KV 239 „Serenata notturna“ sowie Die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi. Aufgrund der großen Nachfrage nach den nur begrenzt vorhandenen Plätzen sollten nun kurzerhand zwei Konzerte stattfinden, 14.30 sowie 17.00 Uhr. Zu Ersterem hatte ich zwei Karten ergattert. Mein musikinteressierter zehnjähriger Sohnemann sollte mein Begleiter sein und wir wollten so unser erstes gemeinsames klassisches Konzert erleben. Die Vorfreude war groß. Ich persönlich durfte dieses „nur“ als Zuhörer genießen, währenddessen einige meiner Vorstandskollegen als Helfer „Dienst hatten“. Nachdem wir angekommen waren und zwei Plätze zugewiesen bekamen, ging es auch schon los. Stefan Hoffmann, der Vorsitzende unseres Gesangvereins, begrüßte das Publikum und die Musiker auf das Herzlichste und übergab anschließend die Bühne an GMD Stefan Fraas. Zu hören bekamen wir nun Mozart – beschwingt und eingängig, wie man ihn aus vielen seiner Werke kennt. Schon gab es ein freudiges Grinsen auf dem Gesicht meines Sohnes.

Als dann der erste Satz des „Frühlings“ aus den Jahreszeiten erklang, meinte mein Konzertbegleiter: „Mama, das ist doch genau das Stück, das ich im Hort auf unserer Spieldose gehört habe und immer vergessen hab’ zu fragen, von wem das ist und wie es heißt!“ Es folgten dann fachmännische Konversationen, wie: „Hör mal die Vögel – schön oder?“ und „Gewitter oder was meinst du…?“ „Na ja, ein ziemlich altmodischer Herbsttanz – oder?“ „Das sind doch die Jäger?“ usw. Mein Sohn hatte den Programmflyer fest im Griff und zeigte mir von Satz zu Satz, wo wir uns befinden und welches Tempo uns jetzt gleich erwarten wird. So erfreuten wir uns beide an einer schönen reichlichen Stunde klassischer Musik, welche den Musikern körperlich einiges abverlangte. Gespielt wurde im Stehen und Konzertmeister Sergei Synelnikov hatte am Ende dieses Konzerttages seinen Sport in dieser Woche sicherlich absolviert. Standing Ovations und zwei Zugaben bildeten den krönenden Abschluss dieses Tages, welchem zu beiden Konzerten insgesamt 113 Zuhörer beiwohnten. Die Begeisterung war bei Jung und Alt im Publikum, wie auch bei den Musikern der Vogtland Philharmonie in den Gesichtern abzulesen. Für die zweite Zugabe wurden kurzerhand die Geigen und Bratschen in die Horizontale verlagert und das Orchester zupfte ein Jazzstück, sodass wir beschwingt nach Hause groovten. Dort angekommen, wurden von meinem Sohn auf YouTube erst einmal Die vier Jahreszeiten gesucht und danach fleißig Klavier geübt. Da sage nochmal einer, dass klassische Musik verstaubt und nichts für junge Leute ist.

Cindy Brenner

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