Gesangverein zu Langenbernsdorf e. V.

Geschichte

(weiteres Bildmaterial folgt!)

Chronik des Gesangvereines zu Langenbernsdorf e. V.

Vorbemerkung

Der Gesangverein zu Langenbernsdorf e. V. verfügt über ein nahezu lückenloses Vereinsarchiv. Obwohl es in allen Zeiten der Chorgeschichte – teils offiziell, teils inoffiziell – die Vorstandsposition des Archivars gab, verstanden sich diese stets nur als Sammler und Bewahrer, nie als Chronisten und aktive Überlieferungsinstanzen. Seit Ende der 1940er bis in die 1960er Jahre hinein wurden bspw. sämtliche Rechnungen, Quittungen, Angebote etc. jährlich gebündelt und verschnürt. Niemand hatte sich in den folgenden Jahrzehnten veranlasst gefühlt – oder auch nicht getraut? –, diese Bündel zu öffnen. Dies geschah erst im April 2015.
Nach der Neugründung des Vereines als eingetragener Verein nach bundesdeutschem Recht gab es in den 1990er Jahren erste Bestrebungen, auf Grundlage externer Archivrecherchen mehr über die eigene Vereinsgeschichte zu erfahren. Warum man sich nicht auf die eigenen wertvollen und aus quellenkritischer Sicht allesamt als primär anzusehenden Quellen stützte, bleibt unklar. Eine Anfrage an das Kreisarchiv Werdau, die dahingehend schriftlich beantwortet worden war, dass das Archiv nichts zur Geschichte des Chores beitragen könne, erstickte wohl die aufkommenden Bemühungen seitens der damaligen Sangesbrüder sofort im Ansatz.
Im März 2008 wurde der damals 20-jährige Michael Pauser Liedermeister unseres Vereines. Im selben Jahr begann er sein Musikwissenschaftsstudium. Im April 2015 schloss er in Weimar sein Masterstudium im Fach Historische Musikwissenschaft ab, dem nun ein Promotionsstudium folgt. Einen wesentlichen Beitrag seines Wirkens versteht er auch in der Erstellung einer umfassenden Vereinschronik. Bereits 2008 machte er im Sächsischen Staatsarchiv Chemnitz eine Akte ausfindig, die als wesentlich für die Gründungszeit gilt. Seit 2013 transkribiert Pauser die wichtigsten Akten des Vereinsarchives. Bisher sind die ersten beiden Protokollbücher mit all ihren Beilagen und versteckten Zusatzinformationen bis zum Jahr 1963 aufgearbeitet worden. Die Untersuchung der danach folgenden Aktivitäten konnte vorerst nur stichprobenartig erfolgen.

Von den Gründungsjahren bis zur Jahrhundertwende

Die ältesten uns heute bekannten Vereinsdokumente datieren auf das Jahr 1878. Es handelt sich um die beiden Exemplare der Satzung im Vereinsarchiv und der zeitgenössischen Kopie im Sächsischen Staatsarchiv Chemnitz, die ursprünglich aus den Akten der Königlichen Amtshauptmannschaft zu Zwickau stammen. Eine explizite Gründungsurkunde oder Akten aus der Zeit zwischen 1871 und 1878 fehlen. Dies kann nach Aussage des Sächsischen Staatsarchivs aber auch daran liegen, dass solche Akten einer Kassation zum Opfer gefallen sind. Auch die scheinbar eindeutige Anfangsformulierung der Satzung von 1878 spreche nicht gegen eine frühere Chorgründung.
Unser heutiges Unwissen über die Gründung ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass unsere Sängerahnen keinen Wert auf diesen Aspekt legten. Erstmals aktenkundig thematisiert wurde dies erst am 01.04.1922:

"Da bis jetzt immer noch Unklarheit herrschte, wie lange eigentlich der Verein besteht, stellte der Vorsitzende den Antrag ein Gründungsjahr festzulegen. Die Statuten weisen das Jahr 1878 als Gründungsjahr aus. Nach Aussagen der anwesenden Ehrenmitglieder habe jedoch der Verein schon lange vorher bestanden. Da aber nähere Anhaltspunkte hierzu fehlen, beschließt die Versammlung obiges Jahr als Gründungsjahr anzusetzen. Mithin besteht der Verein [darüber ergänzt: z. Zt.] 44 Jahre.“

Am 18.09.1925 heißt es dann revidierend:

„Betreffs des Gründungsjahres schwebte bisher Unklarheit. Um uns von dieser zu befreien, hat unser Vorsitzender Herr Walter Wolf verschiedene ältere Leute besucht und sich mit diesen darüber verständigt. Im großen Ganzen stimmen die Aussagen darüber überein, daß unser Gesangverein im Jahre 1871 im Hause des Gutsbesitzers Franz Bauch gegründet worden ist.“

Kurz darauf ist am 26.09.1925 zu lesen:

„Aussprache über die Festsetzung des Gründungsjahres des Männergesangvereines. Nach vielen mühevollen Umfragen und Erkundungen unseres Herrn Vorsitzenden Wolf bei den ältesten Leuten unseres Ortes brachte derselbe in Erfahrung, daß als Gründungsjahr wohl das Jahr 1871 in Frage kommen würde. Nach längerer Aussprache kommt es zur Abstimmung. Einstimmig wurde beschlossen das Jahr 1871 als Gründungsjahr anzunehmen.“

Dieses historisch zwar nicht gänzlich belegte, aber aufgrund der geschilderten Umstände plausibel erscheinende Gründungsjahr wurde fortan nie wieder in Zweifel gezogen. Im Jahr 1926 feierte man scheinbar erstmals ein Vereinsjubiläum; es war das 55., bei dem auch die bis heute genutzte Fahne geweiht worden ist.
Auf den 15.06.1886 datiert der erste Eintrag im ersten Protokollbuch des Vereines. Wie daraus ersichtlich wird, sah man zuvor keine Notwendigkeit, Vereinsangelegenheiten zu protokollieren:

„Die anwesenden Mitglieder beschließen, dass vom 6. Juli d. J. an allmonatlich, wie dies auch in anderen hiesigen Vereinen üblich ist, Sitzungstage abgehalten werden sollen, worüber die Beschlüsse zu Protokoll genommen und die fälligen Steuern an diesen Tagen erhoben werden sollen. Die Sitzungstage, welche jedem Mitglied noch durch eine Karte bekannt gemacht werden sind folgende: 6. Juli, 3. August, 7. September, 5. Oktober, 4. November, 7. Dezember. Die Singstunde wird vorläufig bis zum 6. Juli ausgesetzt. Jedes aktive Mitglied, daß [sic] dieselbe versäumt ohne genügende Entschuldigung wird von diesem Tage an mit 10 ₰ Strafe pro versäumte Singstunde belegt.“

Da Sekundärquellen bisher weitestgehend fehlen bzw. tatsächlich erst in externen Archiven zu finden sein könnten, ist dieses 1886 begonnene Protokollbuch z. Z. nicht nur das wichtigste, sondern das einzige umfassende primäre Zeugnis über das Wirken des Vereines im 19. Jahrhundert.

Von der Jahrhundertwende bis zum 1. Weltkrieg

Leider ist von der musikalischen Tätigkeit unseres Vereines bis zum 1. Weltkrieg wenig überliefert. Konzertankündigungen oder -berichte fehlen größtenteils. Auch wirft der Protokollvermerk vom 24.10.1905 die Frage auf, ob um die Jahrhundertwende herum überhaupt öffentliche Konzerte stattgefunden haben:

„Es wurde zur Anregung gebracht, in nächster Zeit wieder einmal mit einem Konzert vor die Öffentlichkeit zu treten, daraufhin wurde einstimmig beschlossen von nächsten Dienstag ab, wieder jedes Fehlen beim [sic] Singstunden mit 10 ₰ zu bestrafen.“

In den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts setzen aber zugleich sehr bedeutsame Überlieferungsstränge ein: Erstens beginnt das älteste überlieferte Kassenbuch 1908 und zweitens das älteste überlieferte Strafenbuch 1912. Während der historische Mehrwert eines Kassenbuches aufgrund der Nachvollziehbarkeit jeglicher Ausgaben und der damit verbundenen Aktivitäten auf der Hand liegt, ist aber auch die Bedeutung des Strafenbuches nicht zu unterschätzen. Es enthält vielfältige Informationen, wie. z. B. die Singstundentermine, die Besetzung der Stimmgruppen, die Namen und Anzahl der aktiven Mitglieder, im Einzelfall auch deren Eintritt und / oder Austritt und letztlich die angehäuften Strafen, die wiederum Rückschlüsse auf die Disziplin und Anwesenheit zulassen.
Insgesamt scheint diese Zeit eine gute gewesen zu sein. Viele gesellige Veranstaltungen wie Kappenbälle und Schlachtfeste haben regelmäßig stattgefunden. Auch dass das Fehlen bei Beerdigungen von Vereinsmitgliedern mit 50 Pfennigen fünfmal so hoch sanktioniert worden ist, wie das Fehlen zur Singstunde, zeigt, welchen hohen sozialen Stellenwert der Chor für seine Mitglieder hatte. Außerdem ist wesentlich häufiger als noch im 19. Jahrhundert von Beziehungen zu anderen Vereinen – seien es andere Chöre, der Militärverein oder der Radfahrverein – sowohl in Langenbernsdorf als auch in den umliegenden Orten zu lesen. Nach einer Phase der Konstitution und der betont internen Vereinsarbeit folgte also ab der Jahrhundertwende eine spürbare Öffnung, in der das eingeübte Liedgut auch erfolgreich öffentlich präsentiert wurde. Erstmals darf man wohl in diesem Fall vom Männergesangverein Langenbernsdorf als einem konstant agierenden kulturellen Botschafter seines Dorfes sprechen.
Diese gute Zeit wurde mit Beginn des 1. Weltkrieges schlagartig beendet. Zur Jahreshauptversammlung am 19.01.1915 heißt es im Protokoll:

„Der Vorsitzende Herr Ferd. Jahn […] gab 2tens bekannt das von unsere [sic] Verein 12 Mitglieder im Feld stehen, mit den besten Wünschen zu Heil und Sieg hoffen wir, daß wir alle unsere Kämpfer gesund und Ehrenvoll [sic] in unsern [sic] Verein wieder begrüßen können. […] Zur Beihilfe der Kriegsnot wurde an die hiesige Hilfsvereinigung M 50 abgegeben.“

Auch wenn „Mitglieder“ nicht näher erläutert ist, so ist doch anzunehmen, dass es sich bei einem Großteil davon um aktive Mitglieder handelt. Laut Strafenbuch zählte der Chor in den Jahren 1914 und 1915 jeweils 21 aktive Mitglieder. Aus dem Protokoll der Generalversammlung am 25.01.1916, zu der laut Notiz nur sieben Mitglieder anwesend waren, ist außerdem ersichtlich, dass der Chor aufgrund des Mangels an verfügbaren Männern fortan als gemischter Chor musizieren wollte:

„Der Vorstand Herr Ferd. Jahn eröffnet die diesjährige Generalversammlung, begrüßte die Anwesenden und heißt recht herzlich willkommen. […] 2. Neuwahl betreffend, in Anbetracht der Kriegsverhältnisse werden sämtliche Herren wieder gewählt, dieselben nehmen die Wahl an. 3. Der Herr Dirigent, Herr Kirchschullehrer beantragt, infolge der schwachen Stimmbesetzung, einen gemischten Chor einzurichten[,] mann [sic] stimmt dem Antrag zu. Herr Köhler wir[d] das übrige in die Wege leiten. Den Mitgliedern im Felde und in Garnison wird ein Kartengruß gesendet.“

Dass es tatsächlich wohl nicht so kam, erfährt man expressis verbis erst 1919 (s. u.). Der nächste Protokollbucheintrag datiert erst auf den 15.01.1918:

„Der Vorstand Herr Ferd. Jahn eröffnet die heutige Generalversammlung, begrüßte die Anwesenden, gab in kurzen Worten den wohl allseitigen Wunsch eines baldigen Friedens kund. Den 2 Mitgliedern die ihr junges Leben dem großen Völkerringen opfern mußten[,] denen schon seinerzeit Nachrufe im Werdauer Tageblatte dargebracht wurden, gedachte der Vorstand noch mit herzlichen Worten und wurden ihr Andenken durch Erheben von den Plätzen geehrt[,] es sind dies der Sangesbruder Paul Illgen und der –||– [Sangesbruder] Kurt Arnold […] In Anbetracht der heutigen Generalversammlung wurden unsern in Feindesland stehenden Sangesbrüder [sic] freundl[iche] Grüße durch Karten gesandt.“

Welche musikalischen und administrativen Auswirkungen der 1. Weltkrieg tatsächlich auf den Chor hatte – von den sozialen einmal abgesehen! –, darüber bleibt man nach dem Studium der Protokolle weitestgehend im Unklaren. Unbestritten muss man die Kriegsjahre, zumindest aber die zweite Kriegshälfte als einen großen Einschnitt bezeichnen.

Die Nachkriegsjahre bis zum 2. Weltkrieg

Bemerkenswert ist, mit welcher Schnelligkeit und Stärke sich der Chor nach dem Ersten Weltkrieg wieder zusammengefunden hat – ganz anders, als es später nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall war. In der ersten Generalversammlung wurde beschlossen, neben dem Männerchor einen gemischten Chor zu gründen. Dazu heißt es am 28.01.1919:

„Der Vorstand Herr Ferd. Jahn eröffnet die heutige Generalversammlung[,] ging in seiner Ansprache auf die jetzigen schweren Zeitverhältnisse ein, streift mit kurzen Worten die Vereinsverhältnisse und begrüßte die vom Feld heim kehrenden Krieger und heißt die herzlich willkommen[,] gedachte der im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder u. Frauen[,] diese wurden noch durch Erheben von den Sitzen geehrt und es sollen deren Andenken im Verein gewahrt bleiben. […] 3.) Es wird beschlossen einen gemischten Chor zu gründen[,] in erster Linie werden Töchter sw. Angehörige von Mitgliedern dazu begrüßt und deren Beitritt erwünscht.“

Der Männerchor selbst arbeitete zu Beginn der 20er Jahre laut Strafenbuch mit 35 Sängern. In dieser Zeit wurden, wie oben bereits dargestellt, die Erkundigungen nach der Vereinsgründung eingeholt und dieselbe schließlich festgelegt. Einen wirtschaftlichen Dämpfer erhielt der Chor dann 1923, als durch die Inflation 369.005,85 Mark abgeschrieben werden mussten; in den ersten Nachkriegsjahren hatte man stets einen relativ konstanten Kassenstand von ca. 90 Mark gehabt. Was folgte, waren die für die ganze Weimarer Republik vielfach beschriebenen ‚Goldenen 20er Jahre‘.
Im Jahr 1924 wurde der junge Lehrer Erich Fischer Liedermeister. Er war es, der das erste vom Verein gefeierte Jubiläum 1926 musikalisch vorzubereiten und letztlich zu verantworten hatte. In den ausschweifenden Worten des Herrn Oberlehrers Karl Orth, der die Jubiläumsfeierlichkeiten und damit auch das erste verbürgte chorsinfonische Konzert unseres Vereines rezensierte, heißt es im Mai 1926:

„Mit all diesen Vorträgen bewiesen Sänger und Sängerinnen, daß sie unter der anfeuernden Leitung ihres derzeitigen Dirigenten, des Herrn Erich Fischer, eines sehr talentierten, von hoher Begeisterung für die von ihm gepflegte Kunst getragenen jungen Lehrers, in dem kurzen Zeitraum von ein und einhalb Jahren Tüchtiges gelernt haben. Die in eine edle Gesangssprache umgewandelte Umgangssprache zu allererst, die musikalische Sicherheit, eine maßvolle Begrenzung der Tongebung und eine sorgsame Beachtung aller Vortragszeichen ließen eine große an vielen Übungsabenden aufgewendete Mühe und Arbeit erkennen. Der verunglückte Einsatz des ‚Sanctus‘ [von Schubert], in dem sich der Männerchor so auffällig mit der sonst überall gewahrten Intonation befehdete und eine falsche Melodieführung am Ende eines Volksliedes mögen den wackeren Sängern ein Monitum sein, daß zum guten Gelingen einer schönen Sache die ungeteilteste Aufmerksamkeit notwendige Voraussetzung ist.“

Über diesen wohl herausragenden Liedermeister ist nach seinem noch im Jubiläumsjahr 1926 erfolgten Weggang am 22.09.1927 zu lesen:

„Endlich bringt der Vorsitzende noch einen Brief aus La Paz, Bolivien vom ehemaligen Liedermeister Erich Fischer zur Verlesung, welcher mit Bewunderung aufgenommen wird.“

Den Inhalt des Briefes kennen wir leider nicht. Doch der Spur zu folgen ist heutzutage nicht schwer. Im Frühjahr 2015 wurde der Kontakt zur Deutschen Schule La Paz | Colegio Alemán „Mariscal Braun“ aufgenommen, in deren Chronik auf der Homepage Folgendes zu lesen ist:

„1942: Erich Fischer wird zum Schulleiter gewählt.“ (Vgl. http://www.ds-lapaz.edu.bo/geschichte/)

Eine erste kurze Antwort aus La Paz lässt kaum Zweifel, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. In nächster Zeit soll es einen ausführlicheren Austausch beider Seiten über die Erkenntnisse zur Person des Erich Fischer geben.
Neben den Nachforschungen zur Vereinsgründung erfolgte im Jahr 1925 (Protokoll vom 18.09.1925) auch die positive

„Beschlussfassung wegen Beitritt zum Deutschen Sängerbund und zum Westsächsischen Sängerbund ‚Canon‘“.

Nicht nur, dass sich Langenbernsdorfer Sangesbrüder fortan an Sitzungen der Verbände beteiligten, auch musikalisch war dies eine fruchtbare und nachhaltig einschneidende Entscheidung gewesen: Für den Chor wurde das Liederbuch des Deutschen Sängerbundes angeschafft, das bis heute die Hauptquelle des Chorrepertoires bildet. Ebenso beteiligten sich die Sänger an den Großveranstaltungen des Verbandes, wie z. B. an den Sängerbundesfesten in Wien und Frankfurt am Main. Über ersteres wurde am 16.06.1926 festgehalten:

„2. Über die Sitzung [darunter ergänzt: des Gesamtausschusses] des Deutschen Sängerbundes verließt [sic] der Vorsitzende die Hauptsachen, soweit sie für unseren Verein von Interesse sind. Dem Deutschen Sängerfest in Wien bringt man auch hier schon jetzt Begeisterung entgegen. Durch Aufstehen meldeten sich 23 Sänger, die sich an der Reise nach dort beteiligen wollen. Zu diesem Zwecke wird eine Sparkasse eingerichtet, in die mindestens 50 ₰ pro Woche und Kopf gebracht werden soll. Als Verwalter dieser Kasse wird Albert Köhler gewählt.“

In späteren Berichten heißt es dann:

„Das 10. Deutsche Sängerbundesfest in Wien besuchten auch 15 Langenbernsdorfer Sangesbrüder und sangen im Chor der Sachsen zusammen mit 48.000 Sängern.“

Alle Berichte in den Protokollen vermitteln einen äußerst positiven Eindruck vom Zustand des Chores und von der gesellschaftlichen Verfassung. Völlig abrupt wird die mutmaßlich ungetrübte Harmonie im Chor zur (gezwungenermaßen?) vorgezogenen Generalversammlung am 16.12.1933 von der Politik eingeholt. Die folgenden Auszüge aus dem Versammlungsprotokoll spiegeln das völlig paradoxe Bild wider, das sich den Sangesbrüdern geboten haben muss und das heute noch erschreckend ist:

„Der Vorsitzende Walter Krauße eröffnet gegen 9,15 Uhr die Versammlung, heißt alle Erschienen, besonders den Ortsgruppenleiter der N.S.D.A.P. Kurt Thomas, herzlich willkommen und geht nach einem harmonischen ‚Grüß Gott‘ zu folgender Tagesordnung über: 1. Jahresbericht 2. Kassenbericht 3. Bekanntgabe der neuen Satzungen 4. Führerwahl 5. Ehrungen 6. Verschiedenes. […] 3. Der Vorsitzende gibt die neuen Satzungen wörtlich bekannt[,] ebenso gibt er Aufklärung über die im neuen Staat erfolgte Einteilung des Bundes, bezw. der Unterbünde. Wir gehören jetzt zu Kreis Zwickau, Gruppe [darüber mit Bleistift ergänzt „13“] Werdau. 4. Der Führer der Ortsgruppe der N.S.D.A.P. klärt die Anwesenden über die jetzt bestehenden Richtlinien der Führerwahl auf. Der Führer wird von der Versammlung durch Stimmzettel gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder bestimmt der Führer. Als Führer wird hierauf unser bisheriger Vorstand Walter Krauße einstimmig wiedergewählt. Der Führer der Ortsgruppe Kurt Thomas beglückwünschte ihn zu seiner Wahl. Der neugewählte Führer dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und verspricht während seiner folgenden Amtszeit alles zum Wohle des Vereins zu tun. Mit dem Gesang der ersten Strofen [sic] des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes wird die Führerwahl beschlossen. Der Führer bestimmt nun die übrige Führerschaft. […] Der Chormeister ermahnt die aktiven Sänger, in Zukunft zur Pflege und Förderung des deutschen Liedes die Singstunden möglichst vollzählig und pünktlich zu besuchen und ernennt für jede Stimme einen Stimmführer. […] Nachdem der Führer noch einen letzten Appel [sic] an die aktiven Sänger gerichtet hat, schließt er die Versammlung 11,30 Uhr mit dem Sängergruß ‚Das deutsche Lied, das freie Wort‘. Heil Hittler [sic!].“

Der Verein, dem gerade die demokratische Grundlage und damit seine Souveränität entzogen wurde, beendete die Sitzung mit dem Sängerspruch Das deutsche Lied, das freie Wort und direkt darunter wird unterzeichnet mit „Heil Hittler“. Das doppelte „t“ kann ein Versehen des Schriftführers sein, aber auch ein versteckter Protest ist, v. a. durch die Liedwahl, nicht auszuschließen.
Politisch aktiv wurde der Verein in den Folgejahren nach dem aktuellen Stand der Nachforschungen nicht, auch wenn er sich einem gewissen Grad der Vereinnahmung natürlich nicht entziehen konnte. Die Geschehnisse in der Welt wurden am 08.01.1939 zur letzten Generalversammlung vor dem erneuten Kriegsausbruch – der in seiner konkreten Bedrohlichkeit freilich noch nicht absehbar war – nicht reflektiert. Stattdessen scheint es aber interne Probleme bei der Anwesenheit der aktiven Mitglieder gegeben zu haben, wie man aus dem Protokoll erfährt:

„Punkt 6. wird beschlossen, das [sic] in Zukunft die Singstunden jede Woche durchgeführt werden. Ist die Beteiligung an diesen der Zahl der aktiven Sänger entsprechend, erklärt sich der Liedermeister sowie die Vereinsführung bereit, die Leitung [darüber ergänzt: des Vereins] bis auf weiteres zu übernehmen. Punkt 7[.] Die nächste Singstunde findet am Mittwoch den 18[.] Januar im Vereinslokal statt. Durch ein Zirkular soll jeder aktive Sänger, welcher gewillt ist, [nachträglich ergänzt: sich] in Zukunft am weiteren Vereinsleben durch regelmäßigen Singstundenbesuch zu beteiligen, durch Unterschrift zu erklären. Zum Schluß dankt der Vereinsführer Paul Mehlhorn für seine Unterstützung in der der [sic] letzten Zeit, und ermahnt alle Sänger nochmals ihre Pflicht [sic].“

Nach diesem Eintrag wurde vier Jahre lang nichts mehr ins Protokollbuch geschrieben. Erst am 24.01.1943 fand eine „Außerordentliche Hauptversammlung“ statt:

„Der Vorsitzende Walter Krauße heißt die erschienen Sangesbrüder nach einer Pause von 4 Jahren herzlich willkommen und geht nach einem harmonischen ‚Grüß Gott‘ zur Tagesordnung über. Zu Punkt 1. Der vorliegende vom Sängergau XX Sachsen vom 17.12.[19]42 Satzungsnachtrag wird einstimmig angenommen. Zu Punkt 2 beschließen die anwesenden Sänger sich vollzählig zur Mitwirkung am Heldengedenktag zur Verfügung zu stellen. […] Zu Punkt 3. Da der Verein während der Dauer des Krieges keine Beträge erhebt, soll bei vorkommeden [sic] Anlässen eine Umlage nach der Höhe der vorliegenden Ausgaben eingehoben werden. Da sich sonst niemand zum Wort meldet gedenkt der Vorsitzende zum Schluß unserer bei der Wehrmacht [ergänzt: weilenden], vor allem der im Einsatz stehenden Sängerkameraden, sowie deren Angehörigen in ehrenden Worten und fordert die Anwesenden auf, [sich] zum Gedenken der vor dem Feind gebliebenen Gemeindegliedern von den Plätzen zu erheben.“

Nun dauerte es erneut ganze fünf Jahre, bis wieder ein Protokoll niedergeschrieben wurde.

Die ersten Jahre nach dem 2. Weltkrieg

Ein kurzer und formloser Protokollvermerk vom 28.01.1948 stellt den Beginn der Arbeit des Vereines nach dem 2. Weltkrieg dar:

„In einer von Sangesbruder Walter Krauße einberufenen Besprechung wurde von den nachfolgend aufgeführten Sängern beschlossen den Männergesang im Orte wieder zu pflegen. […] Mit der Leitung wurde einstimmig Sangesbruder Alfred Dittmar betraut.“

Damals, als sich noch einige Sangesbrüder in Kriegsgefangenschaft befanden, unter ihnen auch Liedermeister Albert Fankhänel, als sich die politische Lage noch als äußerst fragil und ungewiss darstellte und als man noch nicht wusste, welche langfristigen persönlichen und gesellschaftlichen Veränderungen die Kriegstraumata mit sich bringen würden, war es die Entschlossenheit der anwesenden Vereinsmitglieder, mit ihrem Gesang nicht nur eine jahrzehntelange Tradition in ihrem Heimatdorf zu neuem Leben zu erwecken, sondern auch den sie alltäglich umgebenden Widrigkeiten des entbehrungsvollen Nachkriegsalltages zu trotzen. Dass das schnell und gut gelang und dass der Verein schon sehr bald eine wichtige soziale Rolle in der Dorfgemeinschaft einnahm, davon zeugen u. a. die folgenden drei Protokollvermerke:

„Am 17.4.1948 fand in Naundorfs Gasthof ein Werbeabend statt […] Die Veranstaltung war gut besucht und hat sehr angesprochen. Gleichzeitig wurde an diesem Abend unser neuer ‚Männerchor Langenbernsdorf‘ aus der Taufe gehoben.“

„Am 27. November 1948 abends 8 Uhr veranstalteten wir eine Adventsfeier bei Sangesbruder Max Körner (Post). Alle Sänger waren mit ihren Frauen erschienen. Da eine Anzahl Sangesbrüder bereitwilligst die Naturalien zur Verfügung stellte[,] konnte mit Kaffee und Kuchen aufgewartet werden. Es erfolgte dann ein Austausch der mitgebrachten Päckchen sowie eine Päckchenversteigerung. Durch die Mitarbeit von Sangesbrüdern verlief die stimmungsvolle, gemütliche Feier zur Zufriedenheit aller und endete gegen 2 Uhr nachts.“

„Der Vorsitzende M.[artin] Liebold eröffnet gegen 3/4 18 Uhr die angesetzte Versammlung u. heißt die erschienenen Ausschußmitglieder herzlich willkommen. Als erster Punkt wird beschlossen, anläßlich des Stiftungsfestes am 18. Nove.[mber] 1950 ein kleines Essen zu veranstalten. Vorgeschlagen wird Karpfen mit Salzkartoffeln u. Rotkraut, wenn dies nicht möglich, Beefsteak mit Salzkartoffeln u. Rotkraut. Die Portion soll nicht mehr als 4,- DM betragen.“

In Zeiten von Grundnahrungsmittelknappheit – von Luxusgütern ganz zu schweigen – konnte 1948 „mit Kaffee und Kuchen aufgewartet werden“. Auch der „Karpfen mit Salzkartoffeln u. Rotkraut“ oder das „Beefsteak mit Salzkartoffeln u. Rotkraut“ zum Stiftungsfest 1950 könnte für manchen das erste und einzige derartige Mahl seit langer Zeit gewesen sein – und damals wusste niemand, was die Zeit noch bringen würde; Deutschland, insbesondere die mittlerweile ein Jahr bestehende Deutsche Demokratische Republik, lag am Boden. Angesichts dieser Tatsachen versteht man erst, welches Potential ein Gesangverein zu entfalten imstande war und ist und welch hohes Gut er für eine dörfische Gesellschaft sein kann.
Auf den Vorsitzenden Alfred Dittmar folgte 1950 der ehemalige Vorsitzende Walter Krauße, der allerdings nach einem halben Jahr aus gesundheitlichen Gründen wieder zurücktreten musste. Sein Nachfolger wurde Martin Liebold. Die beschämend niedrige Teilnehmerzahl bei einem Sängerfest in Teichwolframsdorf am 04.10.1953 führte jedoch neben Auseinandersetzungen unter den Sängern sogar soweit, dass der Vorsitzende Martin Liebold enttäuscht sein Amt niederlegte. Binnen fünf Jahren musste nicht nur bereits der vierte Vorsitzende gefunden werden, auch die Existenz des Vereines wurde am 07.10.1953 zur Diskussion gestellt:

„Nach den letzten Vorkommnissen des vergangenen Sonntag’s, anl. des Sängerfestes in Teichwolframsdorf (Beteiligung unter 30% der aktiven Sänger) kam es zu einer regen Auseinandersetzung unter den Sängern. Es wurden die Schwächen der einzelnen Sänger durchgenommen und der Liedermeister Albert Fankhänel erklärte in längeren Ausführungen die Pflichten eines wirklichen Sängers, was er am Sonntag erlebte, war aber eine Interessenlosigkeit sondersgleichen und hat mit Sängertreue nichts mehr zu tun. Er war aufs‘ schwerste enttäuscht. Nach dieser regen Aussprache verlasz der stellv. Vorsitzende Alfred Dittmar ein Schreiben des Vors. Martin Liebold in dem er, auf Grund obiger Vorkommnisse, sein Amt als Vors. dem Chor zurückgibt. […] Hierauf wird der Vorschlag gemacht, sich rückhaltlos dazu zu äuszern, ob künftig weiter gesungen werden soll oder nicht. Die Abstimmung ergab, das [sic] 36 Stimmen für das Weiterbestehen stimmten, während 4 Stimmen wegen ihrer unregelmässigen Arbeitszeit [ergänzt: sich] nicht mehr dafür entscheiden konnten. […] Die nächste Singstunde findet am 14. Okt im Vereinslokal statt. Nachtrag: Sangesbruder Reinh. Klötzer macht den Vorschlag: unseren Martin Liebold nochmals zu fragen, da er den Verein jahrelang vorbildlich geführt hat und immer mit Rat und Tat zur Seite stand, nach dieser grossen Wäsche nochmals zu fragen, ob er es nicht noch einmal versuchen will, den Chor gemeinsam mit unserem Liedermeister zu neuen Erfolgen zu führen.“

Nachdem der Fortbestand des Chores mit überragender Mehrheit beschlossen worden war, wurde ein neuer Vorsitzender gefunden, der nun ein viertel Jahrhundert lang die Geschicke des Vereines führen und ihn aufs Positivste prägen sollte: Hellmut Robert Piehler.

Die Ära Hellmut Robert Piehler (1953–1978)

Am 24.10.1953 wurde Hellmut Robert Piehler zum Vorsitzenden gewählt. Sein Verdienst war es, dass sich der Verein nach innen wieder einte. Er hat es durch sein unermüdliches Mahnen und Motivieren geschafft, dass sich der Chor in der um ihn herum eigentlich zum Negativen für die Freiheit der Kunst verändernden Welt neu, beständig und nachhaltig etablieren konnte.
Bereits zwei Wochen nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des Vereines, der sich damals Volkschor nannte, machte Piehler am 09.11.1953

„den Vorschlag zum 125. Todesjahr von Schubert und Behthofen [sic] 2 Linden als Erinnerung zu setzen. Der Volkschor soll die Patenstelle vom Gedächtnisplatz übernehmen, da der Platz als geeignet für die 2 Linden sein soll.“

was von der Mitgliederversammlung am 11.11.1953 auch beschlossen wurde. Am 18.11.1953 erfolgte die offizielle Übernahme der Patenschaft für den Gedächtnisplatz durch den Männergesangverein. Der Vorsitzende Hellmut Robert Piehler hielt aus diesem Anlass die folgende flammende Rede:

„Werte Anwesende, liebe Sangesfreunde! Wenn wir uns heute an diesem Gedächtnisplatz versammeln, um am Vortag des 125. Todestages des großen Meistern Franz Schubert für fernere Zeiten eine Gedächtnislinde zu setzen, so neigen wir uns in Erfurcht [sic] vor ihm. 125 Jahre sind verflossen, seit dem ewig sprudelndes Quell seiner Schöpferkraft ein zu viel zu früher Tod das Ziel gesetzt hatte, aber das Lebenswerk Franz Schuberts war ein so gehaltiges, der geistige Reichtum des kleinen unscheinbaren Mannes ein so ungeheurer[,] daß er zu einem das ganze deutsche Musik- und Kulturleben befruchtenden, bis heute noch nicht ausgeschöpften Stern wurde. Sein Schaffen hat Ewigkeitswert! Wir Sänger bekennen uns zu Franz Schubert, weil wir die Macht der uns Beseelenden [sic] Idee in ihm am tiefsten u. wahrsten verkörpert sehen. Die deutsche Seele, das deutsche Gemüt im Lied ausströmen zu lassen u. durch das Lied das einigende Band um alle Deutschen zu schlingen, wo immer sie auch in der Welt zerstreut sein mögen, ist eine wundervolle Aufgabe. Der Deutsche würde sich selbst verlieren, das deutsche Wesen würde aufhören zu sein, wenn Franz Schubert’s Weisen keinen Wiederhall mehr in den deutschen Herzen finden, die Verbundenheit mit der Natur, vor der die deutschen in Erfurcht [sic] u. Andacht stehen, der Glaube an eine göttliche Macht, die uns die Freude an allen Schönen u. Edlen gelegt hat, das Ringen um die letzten Tage unseres Daseins, die Liebe zur Heimat u. Familie, sie schufen die deutsche Seele, aus dessen Tiefe und Vielgestaltigkeit die geistigen Großtaten unserer Denker, unserer Dichter und unserer Tonschöpfer stammen. Was jeder wahrhaft Deutsche denkt, fühlt u. empfindet, hat Franz Schubert in Tönen ausgedrückt, die uns im Innersten ergreifen. Wenn wir nun heute neben der Franz Schubert-Linde eine Ludwig v. Beethoven-Linde pflanzen[,] soll das gleichzeitig symbolisch sein, liegen doch die beiden deutschen Meister der Tonkunst auch in Wien zusammen u. halten dort ihren ewigen Schlaf. – Robert Schumann sagte einmal: Franz Schubert war der ausgezeichneste [sic] nach Beethoven, der Musik im höchsten Sinne des Wortes ausübte. Mögen nun die beiden Linden in unserem schönen Heimatdorf wachsen, blühen u. gedeihen u. uns u. der Nachwelt auch in ferneren Zeiten dieser großen Männer erinnern, dass [sic] ist mein und unser gemeinsamer Wunsch.“

Zur folgenden Jahreshauptversammlung am 13.02.1954 betonte Piehler noch einmal den mahnenden Aspekt des Denkmals. Viele solcher von Pathos, Stolz über das eigene Tun und Heimatverbundenheit geprägter Reden, vor allem zu den Jahreshauptversammlungen und zu Jubiläen, folgten. Sie lassen erahnen, mit welch großer Mühe aber auch Begeisterung der einfache Sattlermeister für das Wohl des Vereines sorgte und wie er sich das Werben für das deutsche Lied zur alltäglichen Aufgabe machte. Noch heute ist sein Name regelmäßig bei allen älteren Vereinsmitgliedern zu hören, stets müssen sich die Vorgänge im Verein an seinem Erreichten messen lassen. Denn er war nicht nur derjenige, der, z. T. bereits in seiner Amtszeit als Schriftführer (1949–1953), die im Entstehen begriffene DDR lobte, wie z. B. bei der Sängerfahrt nach Bad Elster am 26.08.1954:

„Nach einer nahezu 2stündigen Pause unternahmen wir zwanglos die Besichtigung der herrlichen Anlagen, u. es wurde allen vor Augen geführt[,] das [sic] doch durch unsere Regierung hier viel geschafft wurden [sic] ist. Den[n] die Vorbildlichen Badeeinrichtung[en], hervorragende Ärzte u. die Kulturstätten von Bad Elster werden heute von Menschen in Anschruch [sic] genommen, die am friedlichen Aufbau unseres Landes mithelfen.“

Er prangerte auch offen die Missstände an und beschwerte sich offiziell bei politischen Entscheidungsträgern, bspw. über das am 18.09.1955 abgehaltene 1. Massenchorsingen des Kreises Werdau in Langenbernsdorf:​

„Verrauscht sind die Klänge, verweht die Worte, eingezogen die wehenden Fahnen, verwelkt sind die Blumen und das sommerliche Grün auf dem Festplatz und unseren Häusern, es war der erste Anfang 1. Massenchorsingen im Kreisgebiet Werdau. […] Durch das plötzlich eintretente [sic] Schönwetter entschlossen wir uns am Sonntag vorm. 10 Uhr nachdem der Saal vorbildlich hergerichtet war auf anraten [sic] des Kreisreferenten doch die Veranstaltung im Freien durchzuführen, er war es auch der uns viel versprach und wenig hielt. Mitwirkung des Patenbetriebes mit Kapelle und Tanzgruppe, Mundharmonikaclub, Blankenhainer Kapelle, stell[en] einer Lautsprecheranlage und keine Ueberschneitung [sic] durch Feste im Kreisgebiet usw. Nichts und auch garnichts [sic] ist realisiert worden. Daher sind wir zu dem Entschluss gekommen, das [sic] man nur aus Fehlern lernen kann, daher solche Feste nur im Juni, Juli und August abhalten und die Organisation nur in die Hände eines Chores legen.“

Zur Jahreshauptversammlung am 04.02.1956 heißt es zusätzlich:

„Zum Massenchorsingen habe ich einen Beitrag mit der Überschrift Kritik und Selbstkritik geschrieben, der wenn er interessiert nochmals verlesen werden kann.“

Mit seinem Wirken und dem dadurch stimulierten Einsatz aller Sangesbrüder konnte Hellmut Robert Piehler zur Jahreshauptversammlung am 02.02.1957 – also nur dreieinhalb Jahre, nachdem die Auflösung des Vereines zur Debatte stand – in Anwesenheit des Bürgermeisters stolz und selbstsicher verkünden:

„Man sieht eben immer wieder, wir Sänger sind eine Gemeinschaft, die zusammenhalten und es ist eine unumstössliche Tatsache, das [sic] gerade das deutsche Lied alle Deutschen gleich welchen [sic] Altersklasse oder welchen [sic] Beruf sie angehören, zusammenführt. Wir sind heute aus der Geschichte des Dorfes nicht mehr wegzudenken, den [sic] wir sind Kulturträger im wahrsten Sinne des Wortes, unser [sic] Aufgabe ist das Liedgut zu pflegen, weiterzugeben und den Kommenden vorzuleben.“

Zu dieser administrativen Basis kam die sehr gute musikalische Arbeit von Albert Fankhänel, der nach 1926/27 von 1950 bis 1965 ein zweites Mal Liedermeister war. Er organisierte große Konzerte, die stets ein großes und begeistertes Publikum anlockten. Dennoch schrumpfte der Männerchor in seiner Amtszeit drastisch von 63 Sängern 1952 auf nur noch 32 Sänger im Jahr 1963.

Von 1978 bis 1989/90

Seit 1971 war Martin Hempel an der Seite Hellmut Robert Piehlers stellvertretender Vorsitzender des Vereines. Konsequenterweise wurde er 1978 auch dessen Nachfolger. Die Kontinuität der Vereinsführung blieb damit bewahrt. Hempels Stellvertreter wurde Erich Kuhlmann, der seinerseits nach Martin Hempel 1983 den Vorsitz übernahm und diesen bis 1995 innehatte. Martin Hempel wechselte für zwei Jahre wieder ins Amt des stellvertretenden Vorsitzenden, bevor er 1985 in hohem Alter Liedermeister wurde und dies bis zur Wende blieb.
Die Arbeit des Vereines war in den vorhergehenden Jahren in feste Bahnen gekommen. An der musikalischen wie administrativen Ausrichtung des Chores scheint sich zwischen den 60er und 80er Jahren wenig bis nichts geändert zu haben. Einzig seine Zugehörigkeit und damit auch der Name wechselten von Zeit zu Zeit. So wurde aus dem Volkschor Langenbernsdorf erst der Männerchor des Dorfklubs Langenbernsdorf und später der Männerchor der LPG „Frieden“ Langenbernsdorf. Tatsächlich hatte dies aber keine große Auswirkung auf den Chor. Der Verein veranstaltete weiterhin regelmäßig Konzerte, Vergnügen, Ausfahrten, Stiftungsfeste und Weihnachtsfeiern. Außerdem fanden Besuche von befreundeten Chören und Sängertreffen statt.
Für seine Arbeit wurde der Verein mehrfach ausgezeichnet, wie z. B.:

        • 1954 „Für tatkräftige Unterstützung im kulturellen Aufbau unserer Deutschen Demokratischen Republik“
        • 1969 „Ehrennadel des Kreises Werdau in Silber […] für jahrelange aktive Unterstützung bei der Entwicklung des kulturellen Lebens unserer Gemeinde anläßlich des 20. Jahrestages unserer Deutschen Demokratischen Republik“
        • 1971 „In Würdigung hervorragender Leistungen“ mit der „Ehrenplakette des Kreises Werdau“
        • 1984 „Dank und Anerkennung für aktive Mitarbeit bei der Entwicklung des geitig-kulturellen [sic] Lebens anläßlich des 35. Jahrestages unserer Deutschen Demokratischen Republik“
        • 1986 Verleihung des Titels „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“ in der „Qualitätsstufe: Mittelstufe gut“ für „Verdienste im künstlerischen Volksschaffen der DDR“
        • 1988 „Für vorbildliche künstlerische und kulturpolitische Leistungen auf dem Gebiet des künstlerischen Volksschaffens […] die ‚Medaille Ausgezeichnetes Volkskunstkollektiv der Deutschen Demokratischen Republik‘“

Dem politischen Einfluss konnte sich der Verein zunehmend nicht mehr entziehen. Je näher das Ende der DDR kam, desto kleiner wurden die Abstände zwischen den Auszeichnungen, desto stärker die Superlative und desto politischer die Formulierungen. So wurde dem Verein 1986

„Dank und Anerkennung für hervorragende volkskünstlerische Leistungen bei der Mitgestaltung der Bekenntnisveranstaltung der Volkskunst zum XI. Parteitag der SED“

ausgesprochen. Der Rat des Kreises Werdau lud den Vorsitzenden Erich Kuhlmann ein, am 11.10.1989 im Kulturhaus „Pleißental“ in Werdau anlässlich des 40. Jahrestages der DDR die Auszeichnung „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“ entgegen zu nehmen. Kurz darauf wurde dem Chor vom Nationalrat der Nationalen Front

„Für hervorragende Leistungen in Vorbereitung des 40. Jahrestages der Deutschen Demokratischen Republik […] Dank und Anerkennung ausgesprochen.“

Als der Chor jedoch mit Liedern wie dem Lied der Partei der untergehenden DDR huldigen sollte, weigerten sich einige Sänger, dies noch mitzutragen. Im Dezember 1989 erhielt der Verein vom Bezirksvorstand der VdgB Karl-Marx-Stadt ein Schreiben verbunden

„mit den besten Wünschen für ein erfolgreiches neues Jahr [1990] und viel Schaffenskraft für einen ehrlichen und demokratischen Sozialismus.“

Von 1990 bis 2008

Wie so oft in der Vereinsgeschichte bedeutete auch jene politische Wende 1989/90 einen Umbruch, der sich im Vereinsleben widerspiegelte. Während der Vorstand gänzlich unverändert blieb, wurde im Frühjahr 1990 Gudrun Rudolph als erste und bisher einzige Frau Liedermeisterin und blieb dies 18 Jahre lang – so lange war vor ihr im 20. Jahrhundert noch nie ein Liedermeister des Vereines im Amt gewesen.

Noch im Jahr der Wiedervereinigung kam durch Zufall der Kontakt zum Männergesangverein „Liederhort“ Ottenhof-Bernheck e. V. zustande. Bei gegenseitigen Besuchen und durch gemeinsames Singen entstanden jedoch nicht nur Sängerfreundschaften. Im Zuge der deutsch-deutschen Wiedervereinigung bekamen Ost und West für den jeweils anderen plötzlich ein Gesicht. Menschen mit unterschiedlichster Biografie gaben Einblicke in ihr Leben und fördern dabei bis heute bei gemeinsam stattfindenden Ausfahrten das gegenseitige Verständnis für die Kultur und Lebensweise in beiden Bundesländern.

Eine große administrative Veränderung beschäftigte den Verein anschließend bei der ordnungsgemäßen Gründung als eingetragener Verein. Eine Satzung hat es zu DDR-Zeiten nie gegeben. Folglich wurde bei der Erarbeitung einer solchen auf die Statuten von 1925 zurückgegriffen. So ist es zu erklären, dass z. T. äußerst sperrige und antiquierte Formulierungen wie z. B. „Aufnahmefähig ist nur, wer sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindet“ Einzug in die Gründungssatzung des Männergesangvereines Langenbernsdorf e. V. fanden. Auf der Jahreshauptversammlung am 28.02.1992 wurde schließlich von 30 Anwesenden der eingetragene Verein gegründet. Die notarielle Eintragung ins Vereinsregister war allerdings vergessen worden und wurde erst im November 1992 nachgeholt, nachdem die Abruffrist für erstmals bewilligte Fördermittel aus dem Kreishaushalt aufgrund dieses Versäumnisses bereits verstrichen war. Das Fehlen von Unterlagen und eine erste falsche Eintragung verzögerten diesen Prozess weiter, bis der Verein am 25.11.1993 endlich ins Vereinsregister eingetragen werden konnte. Auch bei der Vorstandsänderung 1995 dauerte dieser Prozess lange 13 Monate.

Diese langwierigen und unbefriedigenden Vorgänge sowie die daraus resultierende Angst, im neuen Paragraphendschungel etwas falsch zu machen, haben sicherlich dazu beigetragen, dass der Verein von weiteren Neuerungen absah. Stattdessen besann man sich musikalisch ausschließlich auf das althergebrachte Repertoire und führte Veranstaltungen nur im kleinen Kreis durch. Dazu zählten z. B. Faschingsvergnügen, Weihnachtsfeiern und die Stiftungsfeste, bei denen man stets versuchte, besondere Show-Gäste zu gewinnen, wie z. B. 1999 „die aus Funk und Fernsehen bekannten Drachenburgmusikanten“.

Im Jahr 1993 wurde, anfangs noch in Kooperation mit dem mittlerweile nicht mehr existierenden Volkschor Trünzig e. V., das Waldsingen initiiert, aus dem 2004 das Herbstsingen unseres Vereines hervorging. Obwohl kurz zuvor der Eintritt in den Westsächsischen Chorverband e. V. vom Verein abgelehnt worden war, wollte man dennoch ein Sängertreffen für „alle Chöre des Kreises“ ausrichten. Schnell entwickelte sich dieses Sängertreffen zu einem festen Termin im Kalender der regionalen Chöre aus Sachsen und Thüringen. Heute zählt das Herbstsingen zu den größten Sängertreffen in der Region – ein Verdienst der Beharrlichkeit des damaligen Vorstandes, der bei der anfänglichen Freiluftveranstaltung mehrfach dem Regen trotzen musste.

Obwohl der Verein bei seinen Mitgliedern sehr beliebt war und viele Veranstaltungen durchführte, konnten leider nur wenige neue Mitglieder gewonnen werden; demgegenüber stehen weitaus mehr Austritte und Todesfälle. Die Zahl der unterstützenden Mitglieder sank drastisch von 71 im Jahr 1990 auf nur noch 32 im Jahr 2008. Durch das Glück, dass eine Werbeaktion im Jubiläumsjahr 2001 eine Handvoll neuer Sänger in die sich aus Altersgründen lichtenden Reihen brachte, konnte eine konstante Chorstärke von ca. 30 Sängern bewahrt bleiben. Allerdings war auch das nur eine kurzfristige Verzögerung im Prozess der Überalterung.

Von 2008 bis 2018

Im März 2008 trat Michael Pauser die Nachfolge im Amt des Liedermeisters an. Durch eine Intensivierung der Probenarbeit und eine kritische Auswertung der ersten Auftritte hatte sich der Chor noch im ersten Jahr stark verbessert. Auf freiwilliger Basis wurde vom neuen Liedermeister ein Musiktheoriekurs angeboten, den fast alle Sänger besuchten, was sich positiv auf die Probenarbeit ausgewirkt hat.

Nachdem musikalisch ein guter Nährboden bereitet war, wurde das bisher ausschließlich volkstümliche Repertoire kontinuierlich erweitert. Schnell umfasste es auch Popularmusik, Schlager, Kirchenmusik, Oper, Musical, zeitgenössische Kompositionen sowie volkstümliche Musik aus anderen Ländern und Kulturen. Zudem sang der Chor mittlerweile in fünf Sprachen. Auch eigene Arrangements des Liedermeisters flossen ins Repertoire ein. Dazu zählt u. a. das Langenbernsdorfer Heimatlied von Wolfgang Liebold. Dieses setzte er 2008 erstmals für vierstimmigen Männerchor und initiierte das Heimatliedprojekt zwischen unserem Verein und der Langenbernsdorfer Grundschule.

Im Jahr 2010 trat der Verein dem Sächsischen Chorverband e. V. bei und wurde zugleich Mitglied im Westsächsischen Chorverband e. V. als dessen Regionalverband. Im selben Jahr fand das erste Frühlingskonzert unseres Chores seit vielen Jahren statt, das sich schnell als eigene Konzertreihe etabliert hat. Stets wuchs durch die Frühlingskonzerte und die damit verbundene Zusammenarbeit mit vorwiegend jugendlichen Musikerinnen und Musikern unser Repertoire und mit ihm der musikalische Horizont sowohl der Mitglieder als auch des Publikums. Dies spiegelte sich merklich in jünger und vielseitiger werdenden Zuhörern wider. Zu den Frühlingskonzerten in den Jubiläumsjahren 2011 und 2016 gab es etwas ganz Besonderes: Eine Geschichtsrevue durch die Vereinsgeschichte. Mit Chor- und Instrumentalmusik, Schauspiel, Tanz, Sketchen und historischen Modenschauen wurde dabei auch die deutsche Zeitgeschichte reflektiert.

Ebenfalls im Jubiläumsjahr 2011 gelang es unserem Verein erstmals seit Jahrzehnten wieder ein großes chorsinfonisches Konzert zu veranstalten. Neben vier weiteren Männerchören konnten die Sopranistin Andrea Chudak und die Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach für dieses Projekt gewonnen werden. Das umjubelte Konzert unter der Leitung unseres Liedermeisters Michael Pauser am 22.10.2011 in der Sachsenlandhalle in Glauchau wurde ein großer Erfolg. Alle waren sich einig: So etwas muss es wieder geben, aber: in Langenbernsdorf. Damit so etwas durchführbar war, musste die Vorstandsarbeit unbedingt optimiert werden und auch eine klare Definition des Selbstverständnisses unseres Vereines war notwendig geworden. Zur Jahreshauptversammlung 2012 wurde Michael Pauser neben seinem Amt als Liedermeister auch zum Vorsitzenden gewählt. Anschließend wurden die administrativen Notwendigkeiten der Vereinsführung verbessert: 1. Es wurde ein umfassendes Mitgliederverzeichnis erstellt, das zuvor nur bruchstückhaft existierte. 2. Alle Protokolle wurden nur noch mit dem Computer geschrieben und den Vorstandsmitgliedern per eMail zugeschickt bzw. den Mitgliedern mittels eines zu den Singstunden ausliegenden Protokollordners zur Einsichtnahme bereitgestellt. 3. Für anstehende Konzerte wurden langfristig Finanzpläne erstellt und der Vereinshaushalt für das laufende sowie nächste Geschäftsjahr kalkuliert. 5. Anhand von neu erarbeiteten Checklisten für die Vorstandsarbeit und organisatorische Vorbereitung unserer Konzertreihen wurde erfolgreicher und zielgerichteter mit zugleich erhöhter Eigenverantwortlichkeit der Vorstandsmitglieder für ihr Ressort gearbeitet. 6. In die Satzung wurde zusätzlich die Förderung des musikalischen Nachwuchses als Vereinszweck aufgenommen. Nach all diesen Maßnahmen wurde schließlich 7. im Sommer 2012 ein Vereinsprogramm erstellt und von der Mitgliederversammlung einstimmig verabschiedet. Darin werden bis heute neben dem Selbstverständnis des Vereines auch die Probenarbeit, die Konzertreihen und die soziale Arbeit im Ort definiert. Der Männergesangverein Langenbernsdorf e. V. wurde dadurch keinesfalls neu erfunden. Aber jahrzehntelang gepflegte und meist nie hinterfragte Selbstverständlichkeiten wurden auf den Prüfstand gestellt, die veränderten Zeitumstände analysiert und schließlich der Verein handlungsfähig für das 21. Jahrhundert gemacht. Mit der Einrichtung einer Homepage (die erste Homepage war von 2009 bis 2018 online) und einer Facebook-Seite erhöhten sich zudem die öffentliche Wahrnehmung sowie die Werbemöglichkeiten des Vereines um ein Vielfaches.

All das war die Grundlage, um in den Folgejahren solide administrative wie musikalische Arbeit leisten zu können, die Möglichkeit zu haben, sowohl neue Mitglieder als auch Spender zu akquirieren, und überregional wahrgenommen zu werden. Im Wissen, dass der Verein diese Stärke erreicht hat, wurde ein chorsinfonisches Großprojekt in Angriff genommen, das den Verein und ein ganzes Dorf verändern sollte: Das Projekt „Ein Dorf singt“ war geboren.

Für seine Verdienste um den Chorgesang hat Bundespräsident Joachim Gauck dem Männergesangverein Langenbernsdorf e. V. in seinem 145. Jubiläumsjahr 2016 die Zelter-Plakette verliehen. Die Überreichung erfolgte durch den Referatsleiter Dr. Dieter Herz aus dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus im Auftrag des Bundespräsidenten nebst einem Glückwunschschreiben der Sächsischen Staatsministerin Kurth.

Ab 2019: Aus dem „Männergesangverein Langenbernsdorf e. V.“ wurde der „Gesangverein zu Langenbernsdorf e. V.“

In den letzten Jahren wurde intensiv versucht, den bereits seit 20 Jahren kontinuierlich alternden und schrumpfenden Männerchor dauerhaft zu erhalten. Viele Erfolge stoppten den Alterungsprozess und die Zahl der Sänger stieg sogar zeitweise wieder. Gleichzeitig zeigte der anhaltende Erfolg von „Ein Dorf singt“, dass es ein großes Potential von Sangesfreudigen gibt, die gern in einem großen gemischten Chor ein breites Repertoire pflegen wollen. Den richtigen und rechtzeitigen Zeitpunkt etwas zu verändern sahen wir 2018/2019 gekommen. Wir hatten gerade keine akute personelle oder wirtschaftliche Not, die uns zu möglicherweise überstürzten Handlungen gezwungen hätte. Ganz im Gegenteil konnten wir aus freien Stücken in einem langen basisdemokratischen Prozess ein neues Konzept erarbeiten, das sicherstellen soll, dass der Chorgesang in Langenbernsdorf nicht nur in den nächsten Jahren, sondern auch in den nächsten Jahrzehnten auf einem fruchtbar bestellten Feld erblühen kann.

Am 15.11.2018 fand eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Männergesangvereines Langenbernsdorf e. V. statt. Nichts weniger als die Zukunft des Vereines stand auf der Tagesordnung. Am 02.06.2018 hatte bereits eine Klausurtagung stattgefunden, deren Ergebnisse in den letzten Monaten intensiv diskutiert und weiterentwickelt worden waren. Ergebnis war ein umfassendes Paket aus elf Beschlussvorlagen, das Satzungs- und Vereinsprogrammänderungen genauso beinhaltete, wie eine Neudefinition und sogar die Umbenennung des Vereines.

Die wichtigsten Beschlüsse lauteten wie folgt:

        • Der Verein kehrt ab 01.01.2019 zu seinem 1878 erstmals urkundlich erwähnten Gründungsnamen zurück und benennt sich um in „Gesangverein zu Langenbernsdorf e. V.“, in der Kurzform „GV Langenbernsdorf e. V.“
        • Zum 31.12.2018 stellt der Männerchor seine regelmäßige Arbeit ein. An seiner Stelle nimmt ab 01.01.2019 ein neu zu gründender gemischter Chor seine regelmäßige Arbeit auf.
        • Trotz neuen Namens und neuer Chorstruktur pflegt der Verein seine Tradition weiterhin bewusst (Bewahrung des Archivmaterials, Erinnerung an die jahrzehntelangen Verdienste des Vereines im Ort und für den Laienchorgesang, Fortführung traditioneller Konzertreihen und Projekte). Die Tradition des Männerchorgesanges, die den Verein seit der Gründung wesentlich prägte, soll u. a. mit der Durchführung von und der Teilnahme an Männerchorprojekten gewürdigt werden. Sollte es die personelle Lage erlauben, kann und soll jederzeit wieder ein Männerchor im Verein gegründet werden.
        • Der zusätzliche Projektchor bleibt in seiner Form und Struktur erhalten; somit auch das Projekt „Ein Dorf singt“.
        • Die Vorstandslegislatur wird von einem auf drei Jahre erhöht.

Was die neue Zeit bringen wird, bleibt abzuwarten. Doch so lange es in Langenbernsdorf sangesfreudige und engagierte Menschen gibt, wird es auch den Gesangverein zu Langenbernsdorf e. V. mit seiner tiefen Verwurzelung im Dorf geben. Die Jahreshauptversammlung hat im Januar 2019 einen neuen Vorstand gewählt; es ist der heterogenste der Vereinsgeschichte und der jüngste seit Jahrzehnten! Die Ämter des Vorsitzenden und des Liedermeisters wurden wieder getrennt; Stefan Hoffmann leitet nun seit 2019 mit seiner Stellvertreterin Cindy Brenner den Verein. Beide haben die dankbare Aufgabe, auf dem Fundament der Tradition und mit engagierten Mitgliedern die Zukunft unseres Vereines zu gestalten.

 

Michael Pauser

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