Gesangverein zu Langenbernsdorf e. V. startet mit innovativer Premiere ins 150. Jubiläumsjahr

Im Jahr 1871 wurde der Gesangverein zu Langenbernsdorf gegründet. Das ist in diesem Jahr genau 150 Jahre her. Nach etlichen Umbenennungen heißt der Verein seit 2019 wieder genau so, wie es die Gründungssatzung ausweist. Tradition wird in unserem Verein seit jeher groß geschrieben. Doch auch die Innovation. Dass beides keine Gegensätze sind, sondern zwei Seiten derselben Medaille, haben wir rechtzeitig genug verstanden. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Schulprojekte, neue Konzertformate sowie natürlich das überregional bedeutsame Projekt „Ein Dorf singt“ haben uns in den vergangenen Jahren geprägt und gestärkt.

Mit der Corona-Pandemie, die uns Anfang 2020 genauso unerwartet und hart traf, wie alle anderen auch, sind wir dennoch gut zurecht gekommen. Unsere Mitglieder sind Veränderungen gewöhnt. Flexibel auf Neues zu reagieren, immer wieder das eigene Tun zu hinterfragen und sich von neuen Herangehensweisen an scheinbar immer gleich bleibende Prozesse überzeugen zu lassen – damit sind wir gut vertraut. Nach einer kurzen Zeit des Schocks wurden also die Ärmel hoch- und sämtliche Vereinstätigkeiten umgekrempelt.

In den 149 Jahren seit der Gründung hatte der Verein schon viel erlebt. Doch immer war eines gleich geblieben: Es wurde regelmäßig geprobt und konzertiert – live und ohne Sicherheitsabstand. Kurz vor dem 150. Jubiläum drohte der Gesangverein zu Langenbernsdorf e. V. zum zweiten Mal in seiner Geschichte zu verstummen; nur der Zweite Weltkrieg verursachte bisher die zeitweilige Einstellung der Singetätigkeit. Mit individuellen häuslichen Proben wurde der erste Lockdown im Frühjahr überbrückt, an den sich spannende Präsenzproben und sogar Konzerte unter Pandemiebedingungen anschlossen. Dem erneuten Lockdown im November sahen wir zunächst gefasst entgegen. Doch als im Dezember absehbar war, dass es bis mindestens Ende März keine richtigen Proben und Konzerte geben würde, musste weiter an der Innovationsschraube gedreht werden. Stillstand konnte und durfte für uns keine Option sein.

So startete der Gesangverein zu Langenbernsdorf e. V. mit den ersten Online-Proben der Vereinsgeschichte in sein 150. Jubiläumsjahr. Wieder zeigte sich der enge Zusammenhalt unter den rund 60 singenden Mitgliedern: Vereinzelt gab es noch Sängerinnen und Sänger, die internetfähige Geräte entweder noch nie benutzt haben oder sie gar nicht besaßen. Geräte, die ein Chormitglied übrig hatte, wurden spontan einem anderen überlassen. Getrennt und doch vereint – und dank des Internets nun im wahrsten Sinne des Wortes miteinander verbunden – konnten die Proben beginnen. Unser Liedermeister Michael Pauser hatte inzwischen sein Arbeitszimmer beinahe in ein Ton- und Filmstudio verwandelt. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen und auch er betritt mit Online-Proben totales Neuland. Eine Video-Kamera, ein Mikrofon, das E-Piano, ein Mixer und zwei Computer so mit einander zu verbinden, dass er mit dem ganzen Chor proben kann, war auch für ihn zunächst recht abenteuerlich.

Doch wie war sie nun, die erste Online-Probe? Sängerin Hanna Gottschald berichtet von ihren Eindrücken:

„Natürlich gab es zunächst die üblichen Startschwierigkeiten: ‚Wie mache ich mein Mikrofon an oder – noch wichtiger – aus?‘, ‚Warum kann ich euch gar nicht sehen?‘ und ‚Wie kann man eigentlich digital die Hand heben?‘ Nachdem diese Fragen geklärt waren, konnte es tatsächlich losgehen. Unter Michaels Anleitung starteten wir mit einigen Übungen zum Einsingen. Oh, das war erstmal gewöhnungsbedürftig. Anstatt Dreiklänge mit über 50 anderen zu trällern, saß nun jeder für sich allein vor seinem Bildschirm und sang los. ‚Das klappt doch der Ansicht nach schon sehr gut‘, kommentierte Michael. Um sich mit dieser grundlegend neuen Lage und der Technik vertraut zu machen, probten wir drei einstimmige Passagen aus den Stücken 1492 – Conquest of Paradise, Der einfache Frieden und Über sieben Brücken. Michael sang, sprach und spielte die Tonfolgen auf dem Klavier vor und jeder für sich machte es ihm nach. Ein richtiges Chorgefühl mochte dabei leider nicht aufkommen, da es aufgrund der Übertragungsverzögerung technisch gar nicht geht, dass alle gleichzeitig zu hören sind. Dies war sicher der größte Wermutstropfen an diesem Abend, welcher uns die aktuelle Ausnahmesituation einmal mehr deutlich machte. Dennoch überwogen bei allen sichtbar die Freude einander wieder zu sehen und die Dankbarkeit, endlich wieder gemeinsam singen zu können. Mit etwas Übung und einer gesunden Portion Optimismus werden wir auch diese Herausforderung meistern – das hat dieser Abend gezeigt.“

Es gibt eine Zeit nach Corona. Der Gesangverein zu Langenbernsdorf e. V. wird gestärkt aus dieser Krise kommen. Seine Mitglieder haben bereits jetzt viel Tatendrang, Unterstützung neuer Ideen und Solidarität bewiesen. Jeder Sänger und jede Sängerin ist an diesen Herausforderungen gewachsen. Das zeigt auch die in Präsenzprobenzeiten nie erreichte Anwesenheitsquote von 96 %, die die Erwartungen des Vorstandes deutlich übertraf. Auf den Neustart des kulturellen Lebens werden wir gut vorbereitet sein. Das erste Konzert wird es unmittelbar geben, sobald die Möglichkeit dazu wieder besteht. Während andernorts bereits jetzt ein Chorsterben einsetzt und keiner weiß, welcher von den Chören, die nun fast ein Jahr lang ihre Tätigkeit komplett eingestellt haben, überhaupt wieder beginnen wird, sehen wir die Fortschreibung der 150-jährigen Chorgeschichte in Langenbernsdorf und damit die von hier ausgehende Bereicherung des kulturellen Lebens in der ganzen Region als gesichert an. Wir werden bald wieder von uns hören lassen!

Der Vorstand

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