„Ein Dorf singt“-Konzerte kurz vor dem Ziel abgesagt

Am Donnerstag, dem 22. Oktober – also nur zwei Tage vor den anstehenden Konzerten – musste Stefan Hoffmann, der Vorsitzende des Gesangvereins zu Langenbernsdorf e. V., die Absage der „Ein Dorf singt“-Veranstaltungen mit Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie bekanntgeben:

„Wir haben uns seit mehr als zwei Jahren akribisch auf das kommende Wochenende vorbereitet. Viele Stunden an Arbeit und Fleiß stecken in unserem diesjährigen ‚Ein Dorf singt‘-Projekt“

 

Seit mehreren Monaten haben wir in Zusammenarbeit mit allen Projektpartnern und mit den Behörden immer wieder Wege gefunden, wie wir die aktuell gültigen Hygiene- und Sicherheitsauflagen erfüllen können. Wir haben immer an die Umsetzbarkeit geglaubt und wurden bis zuletzt von allen Seiten unterstützt. Noch am Morgen des 22. Oktober hieß es aus dem Gesundheitsamt des Landkreises Zwickau, die für den 24. und 25.10.2020 in der Sachsenlandhalle Glauchau geplanten Konzerte seien in der geplanten Form, die bereits stark an die aktuellen Gegebenheiten der Pandemie angepasst war, möglich. Um 14.30 Uhr war es dann zur traurigen Gewissheit geworden, dass die am 24.10.2020 in Kraft tretende neue Corona-Schutzverordnung des Freistaates Sachsen unweigerlich zur Absage der Konzerte führt. Der Vorsitzende kommentierte dies mit den Worten: „Es ist bitter, zumal bereits über 200 Karten verkauft waren und zwei ausverkaufte Konzerte möglich schienen.“

Der Vorstand des Gesangvereines zu Langenbernsdorf e. V. hat in einer eilig anberaumten Sitzung folgende Beschlüsse gefasst: 1. Die bereits erworbenen Eintrittskarten können bis zum 30. November 2020 an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, wo diese gekauft worden sind. Nach diesem Termin ist das nur noch beim Verein selbst möglich. 2. Das Konzert wird im Jahr 2021 durchgeführt. Der Termin dafür soll in Kürze feststehen. 3. Im Jahr 2021 werden somit zwei „Ein Dorf singt“-Projekte durchführt: die 9. Sinfonie Beethovens soll im ersten Halbjahr erklingen und im Oktober stehen weiterhin die Konzerte mit einem Programm aus Oper bis Filmmusik fest auf dem Plan.

„Ich bedanke mich bei allen Unterstützern des Vereins und versichere Ihnen, dass wir das in uns gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen werden. Trotz der Absage blicken wir positiv auf das kommende Jahr.“

 

Bereits wenige Minuten nach Bekanntgabe dieser Mitteilung auf den chorinternen Kommunikationskanälen erreichten uns zahlreiche Kommentare unserer Sängerinnen und Sänger. Sie brachten Enttäuschung, aber auch Zuversicht und Freude über den Verlauf des Projektes zum Ausdruck. Die Nachricht unserer Sängerin Anke Rabold-Rose traf es auf den Punkt und sprach vielen von uns aus der Seele:

„Monatelang haben wir uns auf die Konzerte mit der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven vorbereitet Wir probten akribisch die Aussprache von ‚Elysium‘, den punktgenauen Einsatz bei ‚Freude, schöner Götterfunken‘ und den richtigen Zeitpunkt das ‚t‘ von ‚Welt‘ zu singen. Die Dynamik, das Lauter- und Leiserwerden der Stimme oder das Kurzhalten der Töne an bestimmten Stellen brachten uns scheinbar zum Verzweifeln. Die Fuge in der Mitte des Finales, in der vier Stimmgruppen gefühlt durcheinander singen, brachte uns viel Freude, als diese nach Wochen (oder Monaten?) das erste Mal problemlos durchlief. Der Weg ist das Ziel, wir hatten viel Freude beim Proben, unvergessliche Momente und konnten Begeisterung für dieses einzigartige Werk entwickeln. Zwei Tage vor dem eigentlichen Konzert und einen Tag vor der Probe mit dem Orchester, den Solisten und dem anderen Chor kam nun die Absage durch die Behörden. Die Enttäuschung ist groß, die Freude über das Erreichte aber auch. Wir hoffen, dass wir dieses großartige Werk im nächsten Jahr zur Aufführung bringen können.“

 

Unserem Liedermeister und Leiter der „Ein Dorf singt“-Projekte Michael Pauser gilt unser aller besonderer Dank für seine gewohnt professionelle Art und Weise der Vorbereitung. Bis zuletzt glaubte er mit unerschütterlichem Optimismus an die Durchführung der Konzerte und motivierte die Sängerinnen und Sänger mit Hingabe zu jeweils persönlichen Bestleistungen. Noch am Tag der Absage stand er morgens am Pult der Vogtland Philharmonie und probte mit dem Orchester. Doch auch er zieht trotz des enttäuschenden Ausfalls der Konzerte ein positives Resümee des Projektjahres 2020:

„Im Frühjahr und Sommer hatte ich das Projekt bereits fast abgehakt. Doch dann bekam man das Infektionsgeschehen in den Griff und lernte, wie man einen normaleren Alltag organisieren kann, in dem auch musikalische Betätigung in Gruppen wieder möglich ist. Während des Lockdowns haben wir mit Übe-Dateien jeder für sich zu Hause geprobt, wir haben uns online ‚getroffen‘ und wir waren schließlich der erste Chor des Sächsischen Chorverbandes, der am 28. Mai seinen Probenbetrieb wieder aufgenommen hat – bis heute ohne einen einzigen Corona-Fall im Umfeld des Chores! Alle Sängerinnen und Sänger haben den Mut bewiesen, in einer Zeit, in der viele andere den Kopf in den Sand steckten, optimistisch und produktiv, aber auch verantwortungsbewusst und die geltenden Hygienemaßnahmen einhaltend nach vorn zu blicken. Allein dadurch waren wir in Langenbernsdorf ein starkes Vorbild für die ganze Region und darüber hinaus. Das ist es, was nach innen und außen bleiben wird und was unsere singende Gemeinschaft weiterhin stark durch diese globale Krise leiten wird.“

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